Neue Nachbar*innen. Von der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete zur eigenen Wohnung

Die Teilhabe Geflüchteter an der Gesellschaft ist durch die mangelhafte Wohnraumversorgung gefährdet. In vielen Unterkünften für Geflüchtete sind Enge, wenig Privatsphäre und damit verbunden auch ein hoher Lärmpegel an der Tagesordnung. Eingeschränkte Möglichkeiten sich selbst Essen zuzubereiten, fehlender Wohnraum und infolgedessen überbelegte Zimmer und Wohnungen, willkürliche Zimmerbelegungen aufgrund derer einander unbekannte Menschen gemeinsam auf wenigen Quadratmetern leben, tragen zu einem hohen Stresslevel bei. Queere Geflüchtete leiden zusätzlich unter Diskriminierung und Gewalt - auch durch andere Geflüchteten.

In diesem Dokumentarfilm spricht die Filmemacherin Anne Frisius mit Geflüchteten, Beratungsstellen, (ehemaligen) Mitarbeiter*innen aus Unterkünften für Geflüchtete und freiwillig Engagierten in Hamburg, Kassel und Tübingen über ihre Arbeit und Erfahrungen.

Auf ohnehin angespannten Wohnungsmärkten eine Wohnung zu finden, ist gerade in größeren Städten schwierig. Die wenigen verfügbaren Wohnräume werden oftmals nicht an Geflüchtete vergeben. Vermieter*innen bevorzugen Menschen mit sicheren Arbeits- oder Ausbildungsverhältnissen und schrecken vor erwarteten oder unterstellten Kommunikationsbarrieren zurück – noch einmal mehr, wenn queere Geflüchtete auf der Suche nach Wohnraum sind. Die Diskriminierungen auf dem Wohnungsmarkt können allerdings durch Beratungsstellen, Wohnraumkoordinationen oder selbstorganisierte Projekte, die Geflüchteten Wohnraum schaffen, zumindest in Teilen ausgeglichen werden.

Anne Frisius porträtiert unter anderem das Wohnprojekt „Neue Nachbarn“ in Tübingen. Dieses stellt ein Beispiel für gelungenes Zusammenwohnen dar, bei strukturellen Problemen auf der Verwaltungsebene. Die Wohnungskoordination in Kassel ist äusserst erfolgreich bei der Vermittlung von Wohnungen für Geflüchtete.