Neuer Artikel: "Feindbild Identitätspolitik und konservativer Rollback: Moralpaniken, Volksempfinden und political correctness"

von Nikolai Huke. In: Politikum 4/2018

Feministisches, schwul-lesbisches oder antirassistisches Engagement hat in den vergangenen Jahrzehnten die Gesellschaft grundlegend verändert, gesellschaftlich vorhandene Diskriminierungsformen aufgezeigt und erste Schritte durchgesetzt, um diese abzubauen und perspektivisch zu überwinden (z.B. durch „Gender Mainstreaming“). In den vergangenen Jahren lässt sich eine konservative Gegenoffensive („Rollback“) beobachten. (Vermeintliche) Identitätspolitik rückt im Zuge des Rollbacks ins Zentrum konservativer Kritik. Die konservative Reaktion stützt sich in Deutschland auf zwei zentrale Diskursfiguren: Erstens eine vermeintlich hegemoniale, von „Gutmenschen“, „versifften links-rot-grünen 68ern“, der „Lügenpresse“ oder dem „feministischen Volkssturm“ durchgesetzte political correctness, die explizit mit identitätspolitischen Forderungen (z.B. Quotenregelungen) verknüpft wird. Diese verunmögliche es, so die These, sachlich und angemessen über gesellschaftliche Probleme zu sprechen. Weißen, heterosexuellen Männern mit konservativen Positionen werde das Recht abgesprochen, sich zu äußern. Als Gegenspieler der politischen Korrektheit fungiert zweitens der gesunde Menschenverstand – im Sinne eines homogenen Volksempfindens –, der eine vermeintlich natürliche moralische Ordnung der Gesellschaft vorgebe. Eine wichtige Triebkraft des Rollbacks, so wird im Folgenden argumentiert, sind so genannte Moralpaniken: Medienereignisse, in denen eine Gruppe als ‚fremd‘, ‚bedrohlich‘ und als Gefahr für die moralische Ordnung der Gesellschaft identifiziert wird.

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