Pressemeldung der Universität Osnabrück

Die Universität Osnabrück, die Eberhard-Karls Universität Tübingen und die Universität Kassel untersuchen in sechs deutschen Städten die Langzeitwirkungen der „Willkommenskultur“. Zu dieser Thematik veröffentlicht das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekt im Rahmen des Wissenstransfers eine Serie von Kurzfilmen der Filmemacherin Anne Frisius.

Im gerade erschienenen ersten Teil der Serie lässt die Bremer Filmemacherin Anne Frisius Geflüchtete und zivilgesellschaftlichen Initiativen in Dresden und Umgebung zu Wort kommen. In den vergangenen Jahren prägten PEGIDA und neonazistische gewaltbereite Mobilisierungen die öffentliche Wahrnehmung der Debatten über Flucht und Migration in der Region. Die Filmaufnahmen entstanden im August 2018, kurz nach den Vorkommnissen in Chemnitz, als sich das gesellschaftspolitische Klima drastisch zuspitzte.

Die Filmemacherin Anne Frisius zum Klima während der Filmaufnahmen: „Engagierte Menschen vor Ort gehen davon aus, dass sie dafür angefeindet werden“. Ein Protagonist beschreibt den Wandel im Film so: „Normale Bürger gehen jetzt zusammen mit den Nazis auf die Straße.“ In Dresden und Umgebung hat sich aber auch eine aktive Willkommenskultur entwickelt. Menschen unterstützen Geflüchtete im Alltag und schaffen Orte der Begegnung, weil sie gegen Rassismus im eigenen Stadtteil ein Zeichen setzen wollen. „Der Film zeigt, was medial wenig sichtbar ist“, so die Osnabrücker Projektleiterin Prof. Dr. Helen Schwenken vom Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. „Er gibt Einblicke, wie das Zusammenleben in der Migrationsgesellschaft unter erschwerten Bedingungen ausgehandelt wird“. Über die Dreharbeiten schildert Filmemacherin Anne Frisius weiter: „Mich hat berührt, wie Geflüchtete sich Sorgen um die Ängste der Deutschen machten, vier Tage nach dem Totschlag in Chemnitz.“

Im Film kommen auch eine selbstorganisierte Gruppe geflüchteter Frauen und das Frauengesundheitszentrum Medea zu Wort. „Gerade unter den prekären Bedingungen wie der schwierigen Finanzierungslage, aber auch dem gesellschaftspolitischen Klima sind die Ermächtigung und Bestärkung geflüchteter Frauen sehr wichtig“, sagt Projektmitarbeiterin Dr. Katherine Braun vom IMIS. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Frauenberatungsstellen und Frauenhäusern als Schutzorte und forschte dazu auch in Dresden.

Der Film mit dem Titel „Flüchtlingssolidarität in Dresden und Umgebung. Willkommenskultur trotz PEGIDA und neonazistischer Gewalt“ kann hier angesehen und heruntergeladen werden: http://www.welcome-democracy.de/aktuelles/fluechtlingssolidaritaet-dresden-und-umgebung-willkommenskultur-trotz-pegida-und

Weitere Informationen für die Redaktionen: 
Prof. Dr. Helen Schwenken, Universität Osnabrück 
Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) 
Neuer Graben 19/21, 49074 Osnabrück 
Tel.: +49 541 969 4748 
hschwenken@uni-osnabrueck.de

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