Anregungen für die Praxis

Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt im Kontext Flucht und Migration. Sechs Unterstützungsprojekte in Deutschland im Porträt

Cover der Broschüre "Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt im Kontext Flucht und Migration"

 

Die Broschüre porträtiert Projekte und Personen, die an unterschiedlichen Orten Deutschlands geflüchtete Menschen mit geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen unterstützen. Auf die eine oder andere Weise intervenieren sie in intersektionale Gewaltverhältnisse, denen geflüchtete Menschen ausgesetzt sind. Ihre Zugänge sind feministisch, manche explizit queerfeministisch und rassismuskritisch. Die porträtierten Projekte bilden ein Spektrum von Unterstützungsformen, Ansatzpunkten, Interventionen und Perspektiven ab. Sie reichen von dem Versuch, eine sichere Unterkunft für Frauen* und Kinder zu bieten, über den Aufbau aufsuchender Beratungsarbeit, das Aufbrechen mehrheitlich weißer Beratungsstrukturen und Angeboten für queere Geflüchtete bis zu Interventionen in psychologische Konzeptionalisierungen von Traumata, in denen rassismuskritische Perspektiven bislang kaum berücksichtigt werden. Die Broschüre enstand im Rahmen des  durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt "Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland" der Universitäten Kassel, Osnabrück und Tübingen. Das Osnabrücker Forschungsteam im Verbund fragte nach der Rolle von Schutzstrukturen bei geschlechtsspezifischer Gewalt, den konzeptionellen Ansätzen und Erfahrungen der Unterstützer*innen aus den letzten Jahren. Die Broschüre enthält Illustrationen von Sheree Domingo

Broschüre zum Download

 

Ankommen nach dem Sommer der Migrationen: Blickwinkel und Perspektivwechsel auf Augenhöhe - Reflexionsimpulse

Cover_Reflexionsimpulse_Ankommen nach dem Sommer der Migrationen

Die Broschüre beinhaltet Reflexionsimpulse für ehrenamtlich und professionell Tätige in der Unterstützungsarbeit im Kontext Flucht. Die Reflexionsimpulse dienen als Anregung sich im biografischen Bezug als ehrenamtliche und professionelle Unterstützer:in mit folgenden Schwerpunkten zu beschäftigen: Selbstreflexion, Fluchtgründe und Fluchtgeschichten, Motivation, Sprache und Partizipation. In der Projektforschung kristallisierte sich entlang dieser Schwerpunkte heraus, inwiefern paternalistische, rassistische, heteronormative und ethnosexistische Zuschreibungen sowie Praktiken in der Geflüchtetenunterstützung eingelagert sind und gleichermaßen in einer selbstreflexiven biografischen Auseinandersetzung wenig zugänglich erscheinen. Zu dieser reflexiven Auseinandersetzung lädt diese Broschüre mit Reflexionsimpulsen niederschwellig ein. Die Broschüre ist von Elisa Rock visuell gestaltet. 

Zum Download: Ankommen_nach_dem_Sommer_der_Migrationen_Reflexionsimpulse

 

Rassismus als Arbeitsmarkthindernis für Geflüchtete. Ganz unten in der Hierarchie

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Rassismus ist in öffentlichen Debatten um die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten nur selten Thema. In der Regel stehen Sprachkenntnisse, die Anerkennung von Qualifikationen, bürokratische Hürden oder Probleme, die sich aus dem Aufenthaltsstatus (z. B. einer Duldung) ergeben, im Mittelpunkt. Die Studie zeigt demgegenüber, dass auch Rassismus- und Diskriminierungs-erfahrungen im Alltag, in Behörden, in Berufsschulen und in Betrieben ein zentrales Arbeitsmarkthindernis für Geflüchtete darstellen. Um eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zu ermöglichen, so wird deutlich, muss Rassismus im Alltag, am Arbeitsplatz oder im Bewerbungsverfahren sichtbar gemacht, kritisiert und sanktioniert werden. Die Tatsache, dass ein Verlust des Ausbildungs- oder Arbeitsplatzes unter Umständen das Aufenthaltsrecht bedroht, erschwert es, sich gegen Rassismus in der Schule oder im Betrieb zu wehren. Es braucht vor diesem Hintergrund neben einem flächendeckenden Netz an professionellen Antidiskriminierungs- und Rechtsberatungsstellen sowie ehrenamtlichen solidarischen Unterstützungsstrukturen im Alltag eine Sensibilisierung der Arbeitsmarktakteur*innen zu diesem Thema. Grundlage der Studie sind Ergebnisse des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojekts „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“. Im Rahmen des Projekts wurden 64 qualitative Expert*inneninterviews mit Behörden, Beratungsstellen, Ehrenamtlichen, Gewerkschaften und Geflüchteten in sechs Regionen in Deutschland geführt.