Impulspapiere

Was motiviert ehrenamtliches Engagement?

von Helen Schwenken
Während der Hochphase der Fluchtzuwanderung war den Medien fast täglich zu entnehmen, dass Menschen bis zum eigenen Zusammenbruch Tag und Nacht den neuankommenden Geflüchteten halfen. Auch heute noch engagieren sich viele. Waren zunächst vor allem junge Leute in Städten aktiv, so verschob es sich zunehmend auf, so lässt sich zuspitzen, Ältere im ländlichen Raum. Die idealtypische Ehrenamtliche ist heute die ‚Deutsch unterrichtende pensionierte Lehrerin‘.

Ohnmachtserfahrungen und demokratieferne Räume

Das Erzgebirge grüßt PEGIDA

Bild: Kalispera Dell (cc-by-3.0)

Demokratische Partizipation setzt voraus, dass man im Alltag politisches Handeln als sinnhafte Tätigkeit erfahren kann. Entstehen durch Strukturen und Wahrnehmungsmuster auf der alltäglichen Ebene Gefühle der Machtlosigkeit, der Handlungsunfähigkeit oder des Misstrauens in die Relevanz staatlicher Politik für die eigenen Lebensumstände, löst dies einen Erosionsprozess der Demokratie aus. Die Beteiligung geht zurück, bestimmte Gruppen ziehen sich aus der politischen Partizipation zurück und es bilden sich demokratieferne Räume, in denen sich autoritäre Einstellungen verfestigen. Es entstehen Gruppen innerhalb der Bevölkerung, die zwar formell einen Status als StaatsbürgerInnen haben, aber den Eindruck bekommen, dass sie durch diesen keinen substantiellen Einfluss ausüben können. Folgen können unter anderem eine zunehmende Distanz der Menschen zu politischen Parteien oder schwindendes Vertrauen in politische und gesellschaftliche Institutionen sein.

Medienberichterstattung über Geflüchtete

Geflüchtete kommen in den Medien kaum zu Wort

Bild: Rasande Tyskar (CC BY-NC 2.0)

 

Anfang Juni 2018 geriet eine Sendung der Talkshow „Hart aber fair“ zum Thema „Flüchtlinge und Kriminalität“ auf Twitter in die Kritik. „Junge Männer“, hieß es in der Ankündigung der Sendung, „geflohen aus Krieg und archaischen Gesellschaften – für viele hierzulande Grund zu Sorge und Angst. Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden? Wie unsicher wird Deutschland dadurch?“ Nachdem die Themenwahl und Ausrichtung der Sendung problematisiert wurde, verteidigte sich „Hart aber Fair“ via Twitter. Man betreibe mit der Sendung keine Themensetzung, sondern folge nur dem, „was Menschen beschäftigt“. „Framing? Als Journalisten können wir mit diesem Begriff wenig anfangen. Wir versuchen das, was Menschen beschäftigt, so darzustellen, wie es ist“. Der in der Rechtfertigung sichtbar werdende unreflektierte und scheinbar naive Zugang zum Verhältnis von medialer Repräsentation und gesellschaftlichen Entwicklungen (‚wir zeigen die Dinge so, wie sie sind‘) ist, so zeigen Studien zur Flüchtlingsdiskurs in deutschen Medien seit 2015, empirisch nicht haltbar. Die mediale Debatte um Flucht ist von Konjunkturen und Schlüsselereignissen geprägt und weist eine – jeweils konjunkturspezifische – „diskursive Selektivität“ auf, privilegiert also bestimmte Akteur_innen und Thematisierungsweisen deutlich gegenüber anderen. Im Folgenden werden exemplarisch einige zentrale Ergebnisse der wissenschaftlichen Debatte um den medialen Flüchtlingsdiskurs vorgestellt.

Die 'neue Phase' des Protestes 2012-2014

Refugee Protest Marsch in Berlin

Bild: Leif Hinrichsen (cc by-nc 2.0)

von Katherine Braun
Am 29. Januar 2012 erhängte sich der iranische Asylsuchende Mohammad Rahsepar in seinem Zimmer im Würzburger Flüchtlingsheim. Rahsepar war 2011 aus Westiran geflohen, nachdem er sich dort als Polizist weigerte, auf Demonstranten zu schießen. Seitdem wurde er politisch verfolgt, wie viele Iraner, die sich 2009 nach der Wiederwahl Ahmadinedschads in der Opposition organisierten.

Geflüchtete machen ihre eigene Geschichte – Proteste und Selbstorganisationen von Geflüchteten in der BRD

von Katherine Braun
Während das Thema Flucht, Asyl und Abschiebung in den 2000er-Jahren medial so gut wie gar nicht thematisiert wurde, dominierte es in den vergangenen drei Jahren die Berichterstattung. Flüchtlingssolidarität sei nicht nur "eine dominierende soziale Bewegung und boomender Wirtschaftszweig, sondern auch popkultureller Hype geworden" (Jakob 2016:13), so etwa Christian Jakob in seinem Buch über das flüchtlingspolitische Engagement der letzten 20 Jahre.
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