Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Geflüchtete – zwischen Willkommenskultur und Notlösung

refugees welcome!

Bild: Niklas Schröder (cc by-nc 2.0)

von Gesa Langhoop

 

„Das kann die Politik alleine alles gar nicht schaffen“

(Gastmutter eines unbegleiteten Geflüchteten in Nordrhein-Westfahlen, 17.04.2016)
 

Unter den Menschen mit Fluchterfahrung in Deutschland befindet sich die Gruppe der unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, die aufgrund ihrer Situation, besonderen Schutzes bedarf. Durch die sich daraus ergebende gesonderte Gesetzeslage werden geflüchtete Jugendliche in Deutschland nicht in Gemeinschaftsunterkünften, sondern in der Regel in stationären Jugendhilfeeinrichtungen nach dem Kinder- und Jugendhilferecht untergebracht.[1] Die begrenzte Anzahl an Plätzen in diesen Einrichtungen nach dem Zuzug von Geflüchteten im Sommer 2015, brachte Jugendämter und freie Träger vereinzelt dazu, vermehrt nach dem Prinzip der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Pflegefamilien gemäß § 33 SGB VIII zu handeln und junge Geflüchtete in Gastfamilien[2] unterzubringen (vgl. Kompetenz Zentrum Pflegekinder e.V. 2016: 4). All dies erfolgte jedoch ohne fundierte wissenschaftliche Grundlage und Erfahrungswerten.[3]

Insofern werden einige Fragen deutlich, die eine genauere Betrachtung der Vorgehensweise, geflüchtete Jugendliche in Gastfamilien unterzubringen, erfordern: Warum nehmen Familien, eine oder einen Jugendlichen mit Fluchterfahrung auf? Ist es eine langfristige und geeignete Alternative, ganz im Sinne der sogenannten ‚Willkommenskultur‘ oder doch nur eine vorschnelle Lösung aus der Not heraus? Ist das Konzept aus dem Pflegekinderwesen auf die Zielgruppe der geflüchteten Jugendlichen übertragbar? Was sind die Bedenken der Familien? Und wie ist letztendlich diese Form der Unterbringung aus der Perspektive der Sozialen Arbeit zu bewerten?

Von März bis Mai 2016 führte ich eine qualitative Erhebung anhand von sechs leitfadengestützten Interviews mit (werdenden) Gasteltern in Niedersachsen und Nordrhein-Westfahlen durch. Die interviewten Familien befanden sich zum Großteil noch am Anfang des Aufnahmeverhältnisses, bzw. noch im Auswahl- oder Bewerbungsprozess. Der Fokus der Interviews lag auf den Überlegungen und Bedenken der Gastfamilien – die Motivationen und Einflüsse, die Schwierigkeiten und Probleme, die sozialpädagogische Begleitung sowie Zukunftsperspektiven und Wünsche der Gasteltern. Zusätzlich stellte mir ein sozialer Träger 18 Bewerber*innenfragebögen mit offenen Fragen und Antwortmöglichkeiten zur Auswertung[4] zur Verfügung, welcher von den Gastfamilien ausgefüllt wird, wenn Interesse an einem Aufnahmeverhältnis besteht und dient den Trägern zur ersten Auswahl geeigneter Familien.

 

 „Da kann man ja nicht zugucken. Sonst hat man einfach ein schlechtes Gewissen.“

(Werdender Gastvater eines unbegleiteten Geflüchteten in Niedersachsen, 22.03.2016)

Die Motivation der befragten Gasteltern, minderjährige Geflüchtete aufzunehmen, ist vor allem bestimmt von einer Art moralischen Verpflichtung und dem Bedürfnis, Verantwortung für fehlende politische Handlungen zu übernehmen. In den Aussagen der Interviewpartner*innen sind die Fluchtthematik und die Umstände der Wanderungsbewegungen von 2015/16 zentraler Bezugspunkt. Wird dies mit der Motivation von Familien verglichen, die inländische Pflegekinder aufnehmen, lassen sich klare Unterschiede feststellen, denn hier liegt das Interesse meistens am Kind selbst, häufig bedingt durch Kinderlosigkeit (vgl. Müller 2008: 76). Ähnlich wie in Studien zur Willkommenskultur beschrieben (vgl. z. B. Karakayali/Kleist 2016; Mutz et al 2015), stand für die werdenden Gasteltern hingegen das Anliegen, sich angesichts fehlender staatlicher Unterstützung für die Situation Geflüchteter einzusetzen, im Vordergrund. Eine der befragten Familien schilderte, sie wolle der verheerenden Situation auf den Fluchtrouten einschließlich der mangelnden Unterbringung und Versorgung von Geflüchteten nicht nur tatenlos zuschauen (werdender Gastvater, Niedersachsen, 22.03.2016). Ähnlich äußerte sich eine andere Familie, die nach einer wirksamen und sinnvollen Möglichkeit zur Unterstützung der Geflüchteten suchte, nachdem sie eine Unterkunft besucht hatte, um Spenden abzugeben und von den dortigen Zuständen erschüttert war (werdende Gastmutter, Niedersachsen, 08.04.2016). Bilder, die durch Berichte über die Situation der geflüchteten Menschen medial verbreitet wurden, verstärkten das Gefühl bei den Familien, zu Handlungen aufgerufen zu sein. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Bedenken hervorgerufen wurden, die Politik sei nicht in der Lage, die gesamte Situation allein zu bewältigen. Dies wird besonders deutlich an den Äußerungen einer Gesprächspartnerin aus Nordrhein-Westfahlen: „Dann haben wir mal einen Bericht von Lampedusa gesehen. Da ist so der Gedanke gekommen, [..] das kann die Politik alleine alles gar nicht schaffen“ (Gastmutter, Nordrhein-Westfahlen, 17.04.2016). Das Bedürfnis, persönlich aktiv zu werden, wurde hier ausschlaggebend durch die mediale Berichterstattung im Zusammenhang mit politischem (Nicht-)Agieren hervorgerufen. Bemerkenswert ist dabei, dass in diesem Fall bewusst entschieden wurde, über einmalige Spenden hinaus einen langfristigen Beitrag zu leisten. Die scheinbar überforderte Politik förderte also die Etablierung einer neuen Hilfeform bei Kinder- und Jugendhilfeträgern sowie langfristige Strukturen des Engagements[5]  durch Menschen, die zuvor keinen oder kaum Bezug zur Fluchtthematik hatten.

Jedoch bot die Möglichkeit, Gastfamilie zu werden auch für Menschen, die bereits zuvor in dem Bereich tätig waren, Strukturen, die zu einer neuen Form des Engagements führten. So war bei einer interviewten Person ausschlaggebend für die Entscheidung, einen Jugendlichen zu Hause aufzunehmen, dass bereits ein persönlicher Kontakt während der beruflichen Tätigkeit in einer Jugendhilfeeinrichtung für junge Geflüchtete bestand (werdende Gastmutter, Niedersachsen, 10.05.2016). Hier war also nicht allein das Scheitern der Politik oder die Wahrnehmung „erschütternder“ (werdende Gastmutter, Niedersachsen, 08.04.2016) Zustände in Erstaufnahmeeinrichtungen ausschlaggebend, wie bei anderen Gasteltern. Stattdessen führte das Angebot der neu entwickelten Hilfeform durch Träger der Sozialen Arbeit zur tatsächlichen Etablierung der neuen Strukturen des Engagements im Zuge der Willkommenskultur. In diesem Fall kann zudem von einem Erfolg der Unterbringung ausgegangen werden, da die interviewte Person soziale Betreuerin in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete ist und demnach Kompetenzen in der Begleitung und Betreuung der Jugendlichen hat sowie über Wissen zu den Lebensumständen der jungen Geflüchteten verfügt. Zum Gelingen der neuen Hilfestruktur kann dies ein zentraler Faktor sein, da allein positive Absichten noch nicht ausreichen.
 

Denn 'gut gemeint ist nicht immer gut'

Um eine fundierte Einschätzung über das Gelingen der Unterbringung von geflüchteten Jugendlichen in Gastfamilien zu liefern, ist eine Auseinandersetzung mit den Bedenken und Vorbehalten der Gastfamilien notwendig. Die Bewerber*innenfragebögen des Trägers für die (werdenden) Gastfamilien fragen explizit nach Vorbehalten gegenüber Personen und Bräuchen. In einem Drittel der im Rahmen meiner Erhebung ausgewerteten Bögen finden sich Vorbehalte gegenüber der Befürwortung asymmetrischer Geschlechterverhältnisse, die die oder der Jugendliche haben könnte (Unterdrückung der Frau oder minderwertige Rolle der Frau). Fast die Hälfte der Familien gab an, Vorbehalte gegenüber extremer Religiosität, bzw. einem unkritischen Umgang damit oder andere die Religion betreffende Verhaltensweisen zu haben. Darüber hinaus gab es vereinzelt Angst vor Gewalttätigkeit der oder des Jugendlichen sowie Bedenken gegenüber mangelndem Interesse an Integration und Bildung oder Hygiene. Zwei Gastfamilien gaben an, keine Vorbehalte zu haben.

Wie ist dies einzuordnen? Vorbehalte dieser Art erfüllen nicht die Eignungskriterien zur Aufnahme von Pflegekindern, wie sie beispielsweise von der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e. V. vorschlagen werden (vgl. GISS e.V. 2003: 79). Demnach sind Toleranz und Akzeptanz der Familien besonders wichtige Kriterien, die im Widerspruch zu den Angaben im Bewerber*innenfragebogen stehen (vgl. GISS e.V. 2003: 79f.).[6]

Träger der Sozialen Arbeit sind demnach darin zu bestärken, bei der Auswahl von Gastfamilien besonders sorgfältig zu agieren, um zu verhindern, dass die Unterbringung von geflüchteten Jugendlichen in Gastfamilien lediglich die Funktion einer ‚gut gemeinten‘ Notlösung, angesichts mangelnder Unterbringungsmöglichkeiten erfüllt. Außerdem ist die Bedeutung eines aktiven Umgangs mit den Vorurteilen zu unterstreichen. In Schulungen und Seminaren zur Vorbereitung der Gastfamilien kann durch Reflexion und Bewusstwerdung der Vorbehalte, bzw. Vorurteile ein Schritt in die richtige Richtung gemacht werden, trotz der genannten Bedenken geeignete Gastfamilien zu finden. Solche Schulungen müssen gemäß den Fachverbänden und analog zu den Standards im Pflegekinderwesen, vor der tatsächlichen Vermittlung abgeschlossen sein (vgl. Kröger 2012: 44f.).

In den betrachteten Fällen war dies jedoch nicht immer der Fall. So nahm eine Familie aus Dringlichkeit der Unterbringung einen Jugendlichen auf: „Also die haben dann gleich gesagt vom Jugendamt: Ja, wir haben da welche, die müssten ganz dringend, das hat vielleicht den letzten Anstoß so gegeben [...].“ (Gastmutter, Nordrhein-Westfahlen, 17.04.2016). Die Unterbringung hatte hier vor allem den Charakter einer Notlösung, welche in der akuten Situation notwendig war, die Gastfamilie jedoch offenbar im Vorhinein nicht ausreichend geschult und vorbereitet wurde. Der Familie fehlte dadurch eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der unbegleiteten Minderjährigen und Folgen von Fluchterfahrungen sowie der Bedeutung von Heimat und Herkunftsfamilie. Nach der zügigen Vermittlung eines Jugendlichen in die Familie kamen Heimweh und Traurigkeit auf, worauf die Familie gemäß ihren Schilderungen nicht vorbereitet war (Gastmutter, Nordrhein-Westfahlen, 17.04.2016). Durch im Voraus angebotene und durchgeführte Seminare durch die Träger der Sozialen Arbeit können Kenntnisse im Umgang mit Irritationen und über Prozesse der Eingewöhnung und des Zusammenlebens erlangt werden und Konfliktsituationen vermieden werden. Doch auch im Falle einer vorherigen Seminarabsolvierung kann es aufgrund der Individualität der geflüchteten Jugendlichen sowie der Familien zu Schwierigkeiten und Problemen kommen. Daher ist eine enge Begleitung durch die sozialen Einrichtungen auch langfristig und während der gesamten Zeit von großer Bedeutung. Als wichtigste Prämisse für ein gelingendes Matching von Familie und Jugendlichen gilt stets die Beachtung der individuellen Vorstellungen und Ausgangslagen auf beiden Seiten.
 

Fazit: Gelingende Unterbringung unbegleiteter Geflüchteter in Gastfamilien – auch eine Aufgabe der Politik

Die Erhebung macht deutlich, dass sich die Unterbringung geflüchteter Jugendlicher in Gastfamilien in einem Spannungsfeld zwischen Willkommenskultur und Notlösung bewegt. So ist die Etablierung dieser neuen Form der Unterbringung grundsätzlich sinnvoll und notwendig, da gemäß Art. 22 Abs. 2 der UN-Kinderrechtskonvention jedes Kind, mit oder ohne Fluchterfahrung, die Möglichkeit bekommen muss, in einer Familie untergebracht zu werden. Außerdem wurden durch die Fluchtzuwanderung 2015 und die zivilgesellschaftlichen Reaktion darauf in Form eines Bedürfnisses aktiv am Prozess beteiligt zu sein, langfristige Unterstützungsstrukturen geschaffen, welche über einmalige Kontakte zwischen Deutschen und Geflüchteten bei z.B. Spendenausgaben hinausgehen. Die Wanderungsbewegungen sowie die unzureichenden Reaktionen der Politik auf diese Ausnahmesituation gaben dabei den Impuls für den Auf- und Ausbau dieser unterstützenden Strukturen. Jedoch führte ein daraufhin gezwungenermaßen vorschnelles Handeln der Träger der Sozialen Arbeit zu Problemen und Schwierigkeiten in den positiv intendierten Bestrebungen. Besonders, wenn dafür Standards der Kinder- und Jugendhilfe vernachlässigt werden, sind die Bemühungen zu überdenken. Damit langfristig ein gutes Zusammenleben in Gastfamilien gelingen kann, muss zudem ein Umdenken bei der rechtlichen Einordnung der Hilfeform Gastfamilien für unbegleitete minderjährige Geflüchtete geschehen. Eine Möglichkeit wäre die Konkretisierung von §33 SGB VIII. Unter Berücksichtigung dieser und weiterer normativer Ausführungen kann meines Erachtens die Hilfeform als alternative Unterbringungsform in Betracht gezogen werden. Dies würde langfristig eine Entlastung der stationären Jugendhilfeeinrichtungen und damit der Kommunen und Städte bedeuten und sich möglicherweise durch die Einbindung in deutsche Familien positiv auf die Integration der geflüchteten Jugendlichen auswirken. Dies geht überein mit den Zielen der interviewten Familien, die klare Vorstellungen für die geflüchteten Jugendlichen haben, wie beispielsweise „Schulausbildung, Kultur, Ausbildung“ (werdender Gastvater, Niedersachsen, 08.04.2016) oder, wie es häufig von den befragten Familien formuliert wurde, das Erlernen der deutschen Sprache. Ob diese Ziele zu hoch und zu normativ sind, muss kritisch hinterfragt werden. Mit einer Anpassung der Konzepte und Gesetze sowie einer guten sozialpädagogischen Vorbereitung und Begleitung unter Beachtung individueller Bedarfe kann die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in Gastfamilien gelingen, wobei die Ziele eher auf das gegenseitige Kennenlernen von Lebenswelten und dem Schaffen von Begegnungen auf Augenhöhe liegen sollten. Sodann ist die Übernahme von derartiger politischer Verantwortung, was mindestens als Anstoß und Impuls für das bemerkenswerte Handeln der Familien diente, tatsächlich als positiver Beitrag zur Willkommenskultur anzusehen. Damit ‚gut Gemeintes aber nicht gut Umgesetztes‘ nicht zum Dauerzustand werden, müssen staatlicherseits zwingend ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten und Versorgungsstrukturen geschaffen werden.
 

Literatur

Bergmann, Werner (2006): Vorurteile. Was sind Vorurteile. In: https://www.bpb.de/izpb/9680/was-sind-vorurteile?p=all (letzter Abruf: 26.09.2019).

Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung e.V. (2013): Eine Untersuchung im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit und der Stiftung zu Wohl des Kindes, Holzminden. Strukturen der Vollzeitpflege in Niedersachsen. Bremen. In: http://www.giss-ev.de/files/giss/upload/PDF%20CHE/pflegekinderniedersachsen.pdf (Download: 15.05.2016).

Karakayali, Serhat/ Kleist, Olaf J. (2016): EFA – Studie 2. Strukturen und Motive der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit (EFA) in Deutschland. Berlin: BIM.

Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. [Hrsg.] (2016): Jugendliche Flüchtlinge in Gastfamilien. Erste Orientierung in einem großen gesellschaftlichen Feld. Berlin. In: http://kompetenzzentrum-pflegekinder.de/workspace/uploads/jugendliche-fluechtlinge-in-gastfamilien_1.pdf (Download: 13.05.2016).

Kröger, Mirja (2012): Qualifizierung von Pflegefamilien. Grundlagen und Konzepte Sozialer Arbeit mit Pflegeeltern/ -bewerbern. Saarbrücken. AV Akademikerverlag GmbH & Co. KG.

Mayring, Philipp (1995): Qualitative Inhaltsanalyse. In: Flick u.a. (Hrsg.) Handbuch Qualitative Sozialforschung. Weinheim: Beltz/PVU.

Müller, Sandra (2008): Traumatisierte Pflegekinder – Pflegeeltern in Not? Handlungsanforderungen an die Soziale Arbeit. Saarbrücken. VDM Verlag Dr. Müller Aktiengesellschaft & Co. KG.

Mutz, Gerd/ Costa-Schott, Rosário/ Hammer, Ines/ Layritz, Georgina/ Lexhaller, Claudia/ Mayer, Michaela/ Poryadina, Tatiana/ Ragus, Sonja/ Wolff, Lisa (2015): Engagement für Flüchtlinge in München.

 


Gesa Langhoop ist Studentin im Master-Studiengang ‚Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen‘ an der Universität Osnabrück. Sie ist staatliche anerkannte Sozialarbeiterin und schloss 2016 ihr Bachelorstudium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Osnabrück mit einer Bachelorarbeit zur Unterbringung geflüchteter Jugendlicher in Gastfamilien ab.

 


[1] Vgl. Art. 3 UN-KRK; Art. 20 UN-KRK, Art. 22 UN-KRK; § 1 Abs. 3 Satz 3 SGB VIII; § 6 SGB VIII; § 34 SGB VIII.

[2] Bezogen auf die Unterbringung von jungen Geflüchteten in Familien wird häufig (sowie auch in diesem Artikel) die Bezeichnung ‚Gastfamilien‘ anstatt ‚Pflegefamilien‘ verwendet. Dies soll die unterschiedlichen Funktionen, die die jeweiligen Familien in der entsprechenden Hilfeform erfüllen, verdeutlichen. So bezieht sich der Terminus ‚Pflegefamilie‘ auf die Aufnahme von jungen Kindern in Deutschland, die i.d.R. zwischen 0 und 6 Jahren alt sind. Das Ziel ist der Aufbau einer Eltern-Kind-Beziehung. Im Gegensatz dazu wird der Terminus ‚Gastfamilie‘ für die Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten genutzt, die meistens zwischen 13 und 18 Jahren alt sind und die Gasteltern eher als erwachsene Begleitpersonen fungieren. Außerdem sind die Rollen der Herkunftsfamilien unterschiedliche. Trotz dieser Unterschiede gelten für die Unterbringung geflüchteter Jugendlicher in Gastfamilien die gleichen Standards und rechtlichen Einordnungen der Kinder- und Jugendhilfe (vgl. Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. 2016: 10.).

[3] Die für diesen Artikel zugrunde liegende Forschung wurde im Frühjahr 2016 durchgeführt. Somit beziehen sich die Aussagen rückblickend auf die derzeitigen Umstände, welche jedoch gewinnbringende Erkenntnisse für eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem Thema bieten.

[4] Sowohl die Auswertung der Interviews als auch der Bewerber*innenfragebögen erfolgte angelehnt an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (vgl. Mayring 1995).

[5] Mit Engagement ist in diesem Artikel nicht nur ehrenamtliches Engagement gemeint. Die Aufnahme eines geflüchteten Jugendlichen in Anlehnung an das Pflegekinderwesen wird mit einem Pflegegeld vergütet. Bei ausschließlich finanziellen Gründen wird jedoch von einer Vermittlung in die Familie abgesehen.

[6] Wie in der Soziologie ausführlich diskutiert, ist jedoch völlige Vorurteilsfreiheit für kein Mitglied der Gesellschaft möglich (vgl. Bergmann 2006: o. S.). Die Aussage der zwei Familien, keinerlei Vorbehalte zu haben, sollte daher ebenso von Trägern der Sozialen Arbeit nicht unhinterfragt bleiben.