Geflüchtete auf dem Arbeitsmarkt. Zwischen solidarischem Universalismus und rassistischer Ausgrenzung (Tübingen)

24.10.2019, 18:00-20:00 Uhr, Gemeindehaus Lamm, Am Markt 7, 72070 Tübingen

Betriebe werden in aktuellen Debatten um Rassismus und autoritären Populismus nur selten als eigenständige Konfliktfelder in den Blick genommen. Selbst Analysen, die Lohnabhängige in den Blick nehmen, heben in erster Linie gesellschaftspolitische Konsequenzen im Betrieb negativ erfahrener „Zumutungen und Zwänge des Marktes“ hervor. Durch Leistungsverdichtung, Ohnmachtserfahrungen und Zukunftsunsicherheiten im betrieblichen Alltag entstehe eine „adressatenlose Wut“, die sich potenziell in rassistischer Ausgrenzung und einer Zustimmung zu autoritär-populistischen Positionen manifestiere. Am Beispiel der betrieblichen Integration von Geflüchteten zeigen wir in einem Kurzfilm und zwei Inputvorträgen, dass Betriebe nicht nur einen potenziellen „arbeitsweltlichen Nährboden des Rechtspopulismus“ bilden, sondern auch Orte der Begegnung und der kollegialen Zusammenarbeit von Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft sind. Kulturelle oder politische Differenzen werden im betrieblichen Alltag weitgehend ausgeblendet und externalisiert. Herkunftsverschiedenheit gilt in den meisten Betrieben als normal. Die betriebliche Sozialintegration von Geflüchteten verläuft relativ konfliktarm. Nur in einer Minderheit der Betriebe zeigen sich manifeste Konfliktfälle; dort lassen sich diskriminierende Ungleichbehandlung, (essentialistische) kulturalisierende Zuschreibungen und rassistische Ausgrenzung beobachten.

Ein kurzer Dokumentarfilm von Anne Frisius (http://www.kiezfilme.de) verdeutlicht an Beispielen aus Tübingen praktische Herausforderungen und Chancen der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten.

Dr. Werner Schmidt (Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur e.V.) stellt die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Mitbestimmung und betriebliche Sozialintegration von Flüchtlingen“ (https://fatk-tuebingen.de/projekte/aktuelle-projekte/mitbestimmung-und-betriebliche-sozialintegration-von-fluechtlingen/) vor.

Dr. Nikolai Huke (Eberhard Karls Universität Tübingen) präsentiert erste Ergebnisse des laufenden Verbundvorhabens „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland“ (https://www.freitag.de/autoren/arbeitsmarktintegration).

Ein gemeinsamer Artikel der beiden Wissenschaftler mit dem Titel „Zwischen solidarischem Universalismus und rassistischer Ausgrenzung. Zur betrieblichen Sozialintegration von Geflüchteten“ ist im Juni 2019 in der Zeitschrift PROKLA erschienen (https://www.dampfboot-verlag.de/shop/artikel/195-umkaempfte-arbeit-reloaded).

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