Tagung (online): Fünf Jahre nach dem Sommer der Willkommenskultur

Umkämpfte Solidaritäten, fragile Teilhabe und transformative Potentiale zivilgesellschaftlichen Engagements

Online-Tagung am 18./19.06.2020

Im Jahr 2015 waren tausende Ehrenamtliche engagiert, um eine grundlegende Notversorgung für in Deutschland ankommende Geflüchtete anzubieten, die durch überforderte staatliche Institutionen nur unzureichend gewährleistet wurde. Die mit diesem Engagement verbundenen Bilder der Willkommenskultur sind inzwischen verblasst. Medial rückten andere asylpolitische Themen in den Mittelpunkt: so etwa die Konflikte an den Außengrenzen der EU (z.B. auf den griechischen Inseln), die Auseinandersetzungen in und um AnkER-Zentren (zuletzt die prekäre Gesundheitssituation im Zuge der Corona-Pandemie) oder Fragen der Arbeitsmarktintegration. Die vielfältigen Formen der zivilgesellschaftlichen Hilfe für Geflüchtete sind nur noch selten ein Thema.

Dennoch sind nach wie vor viele Menschen in der Unterstützung von Geflüchteten aktiv, auch wenn es bei Weitem nicht mehr so viele sind, wie zu den Hochzeiten der Willkommenskultur. Die Teilhabe von Geflüchteten war und ist dabei stets umkämpft. Es entstanden neue solidarische Praktiken, ebenso verstärkten sich aber auch Formen der Ausgrenzung. Diese reichen von alltäglicher Diskriminierung über Hetze in sozialen Medien und rassistische Morde bis hin zu einer – besonders in der Strategie der AnkER-Zentren sichtbar werdenden – staatlichen Isolationspolitik für bestimmte Gruppen von Geflüchteten.

Die sich vor diesem Hintergrund ergebenden Fragen nach neuen Formen staatlicher und zivilgesellschaftlicher Solidarität, demokratischer Teilhabe und wiederkehrenden Ausgrenzungen diskutieren wir auf der Tagung am Beispiel der Ergebnisse von drei durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie „Zusammenhalt stärken in Zeiten von Krisen und Umbrüchen“ geförderten Projekten. Das Projekt „Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland geht der Frage nach, inwiefern es ehrenamtlichem Engagement gelingt, eine Teilhabe von Geflüchteten trotz der mit Gender-, Arbeitsmarkt- und Grenzregimen verbundenen Gewaltverhältnisse zu ermöglichen. Das Projekt HybOrg stellt Befunde zu Aushandlungsprozessen zwischen Verwaltung und ehrenamtlich Engagierten vor. Das Projekt PODESTA zeigt am Beispiel von Mieter*innenprotesten Möglichkeiten und Grenzen auf, in politischer Selbstorganisation gesellschaftliche Spaltungstendenzen zu überwinden. Gerahmt werden die Beiträge durch eine Keynote von Manuela Bojadžijev, die dem Verhältnis von Willkommens- und Ablehnungskultur nachgeht.

Link zur Teilnahme: https://zoom.us/j/99275180774?pwd=TEQ5dGZSd1N2cTZlTU96ZStPb3NLZz09

Die Tagung ist offen für alle Interessierten, eine Teilnahme ist auch ohne Anmeldung möglich. Um besser planen zu können, freuen wir uns dennoch über eine formlose Anmeldung bis zum 07.06.2020 per Mail an doreen.bormann@student.uni-tuebingen.de.

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