„Ehrenamtliche in Kassel sind immer noch bereit etwas zu tun!“

Interview mit der Ehrenamtskoordinatorin der Caritas Kassel

 

September 2018, Kassel

 

„Können Sie uns einen Überblick geben, wie sich die Unterstützung für Geflüchtete von 2015 bis 2018 hier in Kassel entwickelt hat?“

 

„Also als ich im Frühjahr 2015 in die Arbeit eingestiegen bin, fing das ja alles an. Es kamen große Zahlen Geflüchteter, die uns – also der Stadt Kassel – zugewiesen wurden. Man muss dazu sagen der Caritas-Verband in Kassel ist zuständig für jede Unterkunft, die es hier in der Stadt gibt. Das heißt für jede Zweitaufnahme. Wir haben keine Verantwortung für die Erstaufnahmen, kooperieren mit ihnen aber natürlich.  Darüber hinaus sind wir für jede Unterkunft in Kassel zuständig. Mit der Zahl Geflüchteter wurde auch die Anzahl von Unterkünften erhöht. So gab es vor 2015 nur eine Großunterkunft in der Stadt, die auch bereits seit vielen Jahren hier existierte. Und heute reden wir von, ich glaube 47 Unterkünften, davon sechs Großunterkünfte. Und nur eine wird von einem anderen Verein betrieben. Ansonsten sind wir in jeder Unterkunft und einer Vielzahl an Kleinstunterbringungen aktiv beteiligt.

Dadurch, dass die Caritas ist in der Stadt Kassel in diesem Bereich so präsent ist, nahmen Menschen, die Kontakt zu Geflüchteten suchten, erst einmal Kontakt mit uns auf. Die hohe Zahl Geflüchteter in Kassel hat dann auch eine große Anzahl ehrenamtlich Aktiver mit sich gebracht. Das ist immens, was sich in den letzten drei Jahren da getan hat. Im Sommer 2015 etwa, war ich telefonisch oder per Mail sehr schwer zu erreichen, da ich am Tag ungelogen 60 Anrufe und 60 E-Mails hatte, in denen mir Hilfe angeboten wurde. Und das war eine sehr schnelle, sehr große Veränderung. Also die Kassler Bevölkerung war einfach sofort da. Alle wollten sofort unterstützen und die haben von Anfang an sehr viel Energie mitgebracht.

2016 begann auch ganz stark, allerdings begann dann im Anschluss an die Kölner Sylvester Geschehnisse das Engagement zu sinken. Die Zahlen sanken, das lag aber auch daran, dass die Leute teilweise müde wurden. Die Aktiven haben wirklich sehr viel gearbeitet und es war auch klar, dass es auf dem Level nicht ewig weiter gehen konnte. Trotzdem wurden immer weiter Projekte entwickelt werden, in denen nun vor allem auch stärker auf die Bedürfnisse Geflüchteter geachtet wurde: Was wollen die Geflüchteten? Was setzt sich durch? Was setzt sich nicht durch?

Und bis heute zeigt sich, dass kontinuierlich etwa 300 Ehrenamtliche fest bei uns aktiv sind. Aktiv bedeutet, dass ungefähr 200 Leute regelmäßig Kontakt zu Geflüchteten haben, die in Patenschaften, der Kleiderkammer, der Fahrradwerkstatt oder anderen Orten festeingebunden sind und es zusätzlich etwa 100 Freiwillige gibt, die ich einfach jeder Zeit anschreiben kann, wenn ich irgendetwas Besonderes brauche. Das ist ein sehr große Basis! Und klar melden sich gegenwärtig im Vergleich zu 2015, 2016 und 2017 viel weniger Menschen – eher ein bis zwei neue Ehrenamtliche pro Monat. Aber auch das ist noch immer eine gute Zahl, die zeigt, dass Ehrenamtliche in Kassel immer noch bereit sind, etwas zu tun!“

 

Selbstbeschreibung des Verbands:

"Das ehrenamtliche Engagement im Caritasverband in Kassel wird weiterhin stark frequentiert, sodass gefragte Angebote wie die Fahrradwerkstatt, Kleiderkammer und der Konversationskurs noch immer weitergeführt werden können. Ein Gewinn für Ehrenamt und Klientel"