„Das schlimmste was wir in Bayern haben, ist der faktische Lagerzwang“

Interview mit dem Bellevue di Monaco

 

November 2018, München.

 

„Wie funktioniert die Unterbringung von Geflüchteten in München?“

 

„Ich habe ja vorhin schon ein bisschen über die bayrischen Verhältnisse gelästert. Das trifft die Familien natürlich besonders schlimm. Also, das Schlimmste was wir in Bayern haben, ist der faktische Lagerzwang. Das besagt, dass Leute, die in Bayern noch im Asylverfahren sind, verpflichtet sind in einer sogenannten Gemeinschaftsunterkunft zu wohnen. Aber auch Leute deren Verfahren negativ beschieden wurde und die einen Aufenthaltstitel zum Beispiel einer Duldung haben, sind verpflichtet in der Unterkunft zu leben. Dabei heißt ein negativ beschiedenes Verfahren nicht wirklich viel, es kann um fehlende Papiere gehen, aber vielleicht auch eine gesundheitliche Einschränkung, die im Herkunftsland nicht behandelt werden kann. Aus solchen Gründen kriegen die Leute nur eine Duldung und keinen ordentlichen Aufenthaltstitel.

Aber auch dieser Personenkreis ist verpflichtet in der Unterkunft zu bleiben. Das heißt halt für einen sehr sehr großen Personenkreis im Prinzip: Lager lebenslänglich. Und wenn man weiß wie eine Unterkunft ist: Keine Privatsphäre, keinerlei Möglichkeit sich zurück zu ziehen, man kann oftmals nicht einmal die Toilette absperren, man muss sich mit fremden Leuten das Zimmer teilen und man hat keinen Schreibtisch – also ganz banale Sachen, die aber zeigen was das für eine Härte ist. Und vor allem, wir sind ja nicht der Meinung, dass Unterbringung generell verwerflich ist. Also ich glaube für eine Aufnahme definitiv sinnvoll, aber als dauerhafte Unterbringung einfach abzulehnen. Es gibt aber Ausnahmefälle. Das heißt wenn irgendeine große humanitäre Belastung besteht wie eine Krankheit, Behinderung und so etwas, dann dürfen auch Familien ausziehen, kriegen eine Ausnahmegenehmigung und dürfen dann privaten Wohnsitz haben.

Und warum erzähle ich euch das? Weil für genauso welche Fälle ist unser Haus gedacht. Also für Familien, die ausziehen dürfen. Wir haben zum Beispiel zwei Wohnungen, die werden von dem Verein Refugio belegt. Und dann leben hier viele alleinerziehende Mütter. Weil wir haben auch Förderung bekommen von Stiftungen, die explizit Kinder fördern möchten. Und das sind dann teilweise auch Frauen, die sogar mittlerweile schon einen halbwegs gesicherten Aufenthaltsstatus haben, aber bis jetzt halt in irgendeiner frauenspezifischen Unterkunft untergebracht waren. Und das ist dann deren erste eigene Wohnung. Seit Oktober 2018 haben wir das Haus nun komplett belegt“.

 

Selbstbeschreibung des Bellevue di Monaco:

"Das Bellevue di Monaco ist ein neugegründetes Wohn- und Kulturzentrum für Geflüchtete und interessierte Münchnerinnen und Münchner im Herzen der Stadt. Vielfältige Kulturprogramme wie Theater, kleine Konzerte, Lesungen, Podiumsdiskussionen, sowie intensivere Beratungsangebote, Sprachkurse und Schulungen haben hier nun einen optimalen Rahmen gefunden"